Plötzlicher Kindstod

Plötzlicher Kindstod

Wenn Säuglinge völlig unerwartet sterben

Für junge Eltern ist der plötzliche Tod ihres scheinbar gesunden Kindes ein schwerer Schicksalsschlag. In der Aufarbeitung des Ereignisses lassen sich für Angehörige keine Anzeichen erkennen, die das unerwartete Ableben ihres Babys erklären. So wird der sogenannte Krippentod im ersten Lebensjahr eines Kindes nicht als Krankheit bezeichnet, sondern stellt medizinisch gesehen eine Diagnose dar. Aus dem Englischen abgeleitet, ist das Sudden Infant Death Syndrome (SIDS) noch immer die Todesursache Nr. 1 unter Säuglingen und Kleinkindern in Industrienationen. Studien zufolge tritt der plötzliche Kindstod am häufigsten zwischen dem 2. und 4. Lebensmonat auf. Mit zunehmendem Alter eines Säuglings sinkt das Risiko von SIDS. In den meisten Fällen versterben die Babys während der Schlafenszeit. Eine Häufung der Todesfälle ist im Winter zwischen 22 Uhr und 10 Uhr zu beobachten. Statistiken zeigen, dass mehr Jungen betroffen sind.

Bis heute ist die eigentliche Ursache ungeklärt

Plötzlicher Kindstod
Der plötzliche Kindstod ist für alle betroffenen Eltern ein absoluter Schock und in der Regel völlig unerklärbar – Foto: Brebca/Bigstock

Von 1.000 Neugeborenen erliegen etwa 0,2 Prozent dem plötzlichen Kindstod. In den vergangenen 20 Jahren konnte die Sterblichkeitsrate um fast 90 Prozent reduziert werden. Zu verdanken ist der Erfolg einer besseren Aufklärung und Vorsorge, sowie dem medizinischen Fortschritt. Trotzdem legen sich Ärzte und Wissenschaftler auf keine eindeutige Ursache fest. Vielmehr gehen Experten davon aus, dass es sich um ein unglückliches Zusammenspiel mehrerer Gründe handelt, die alle gleichzeitig stattfinden. Im Gespräch sind Faktoren, die zu einer Regulationsstörung von Atmung und Blutdruck führen. Zu diesem Ergebnis kommen Fachleute nach Untersuchungen am Hirnstamm verstorbener Babys. Dabei wurde ein Defekt entdeckt, der den Organismus daran hindert, auf einen Kohlendioxidanstieg im Blut zu reagieren. Bislang ist bekannt, dass das toxische Gas bei der Ausatmung des Säuglings in Bauchlage zwischen Gesicht und Matratze entsteht. Wird das Gift im Schlaf vom Kind wieder eingeatmet, besteht eine tödliche Gefahr. Weitere Forschungsansätze konzentrieren sich auf die Regulationsfähigkeit des Blutdrucks im Säuglingsalter. Vermutet wird, dass ein plötzlicher Blutdruckabfall die Versorgung lebenswichtiger Organe unterbricht. Es bleibt abzuwarten, welche Hirnregion für die Funktionsstörung verantwortlich ist. Bereits jetzt zeigt sich, dass Babys beim Schlafen in Rückenlage den Blutdruck besser regulieren können.

Eltern sollten die Risiken kennen

Bis zum 1. Lebensjahr des Kindes ist es medizinisch nicht möglich, eine Beeinträchtigung im Hirnstamm festzustellen. Dennoch sind einige Faktoren bekannt, die in Verbindung zum plötzlichen Kindstod stehen. Dazu zählen Babys, die vor der 37. Schwangerschaftswoche und mit einem Geburtsgewicht unter 2.500 Gramm zur Welt kommen. Betroffen sind vermehrt Kinder aus einer Zwillings- oder Mehrlingsgeburt. Besteht eine familiäre Häufung durch verstorbene Geschwister, steigt die Wahrscheinlichkeit. Gefährdet sind Babys, dessen Eltern rauchen. Hat die werdende Mutter während der Schwangerschaft Nikotin oder Drogen zu sich genommen, dann erhöht sich das Risiko beträchtlich. Das gleiche trifft auf Frauen zu, die eine Schwangerschaftsvorsorge nur unzureichend in Anspruch nehmen oder bei der Geburt ihres Kindes jünger als 20 Jahre waren. Atemnot gilt als lebensbedrohlicher Zustand, der zu plötzlichem Kindstod führen kann. Der wissenschaftliche Nachweis, dass Stillbabys gegenüber Flaschenkindern geschützter sind, konnte bisher nicht erbracht werden.

Einfache Maßnahmen zum Schutz des Babys ergreifen

  1. Sobald sich Eltern zu diesem Thema verunsichert fühlen, sollten sie sich an die begleitende Hebamme oder den behandelnden Kinderarzt wenden. Leidet das Kind offensichtlich unter Atemnot, ist umgehend ein Arzt hinzuzuziehen. Jetzt zählt jede Minute!
  2. Wichtig ist, das Baby nicht in Bauchlage schlafen zu lassen. Wie bereits erläutert, kann sich das Risiko dadurch sogar verdoppeln. Am besten wird das Kind flach auf den Rücken gelegt.
  3. Geeignet ist eine Schlafposition, bei der sich die Füße des Kindes dicht am Bettende befinden. Dadurch rollt sich der Säugling nicht zu stark in sein Bettzeug ein.
  4. Studien verdeutlichen ein höheres Risiko, sobald das Kind auf einer weichen Matratze schläft. Um die Gefahr zu minimieren, eignet sich eine feste Unterlage ohne Schaffell, Kissen oder Decke. In einem Schlafsack wird das Köpfchen des Babys besser gehalten. Der Schlafplatz sollte generell frei von Stofftieren und Spielsachen sein.
  5. Eine Überhitzung des Säuglings ist unbedingt zu vermeiden. Ob es dem Kind zu heiß ist, lässt sich im Nacken prüfen. Starkes Schwitzen, feuchte Haare und beschleunigtes Atmen sind weitere Anzeichen. Eine Raumtemperatur von 18 Grad Celsius ist ausreichend.

Wichtige Verhaltensregeln beachten und umsetzen

Schlafen Kinder mit Schnuller, reduziert sich das Risiko eines SIDS um 90 Prozent. Forscher gehen davon aus, dass die Nuckelbewegungen des Säuglings zur Stabilisierung der Atmung und zur Entwicklung des Hirnstamms beitragen. Geimpfte Kinder weisen ein geringeres Risiko auf, an plötzlichem Kindstod zu versterben. Das sogenannte Co-Sleeping des Säuglings im elterlichen Bett trägt keineswegs zur Senkung der Gefahr in den ersten Lebenswochen bei. Deshalb steht die Wiege des Babys bestenfalls neben dem Schlafplatz der Eltern. Rauchen in der Schwangerschaft, sowie in Nähe des Kindes birgt ein hohes Risiko. Die Umgebung des Säuglings sollte daher immer rauchfrei sein!

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